23. April 2026  ·  Martin Sättele  ·  IT-Kosten & Infrastruktur

Windows Server oder Linux?
Was KMUs wirklich bezahlen – und wann der Wechsel sich rechnet

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Ein kleines Unternehmen, 8 bis 15 Mitarbeiter. Irgendwann wurde ein Windows Server angeschafft – für Dateiablage, vielleicht noch für Backups oder einen internen Dienst. Der Server läuft, niemand fragt nach. Bis das Betriebssystem das End-of-Life erreicht, der nächste Dienstleister kommt und sagt: „Sie müssen upgraden."

Was dann folgt, ist in vielen Betrieben das gleiche Muster: neue Lizenzen, neue CALs, neues Geld – für eine Infrastruktur, die bei nüchterner Betrachtung längst auf Linux hätte laufen können. Günstiger. Stabiler. Ohne Upgrade-Zwang.

In diesem Artikel rechne ich das durch – ehrlich und ohne Linux-Dogma.

Das Windows-Server-Lizenzmodell: teurer als es aussieht

Windows Server wird pro CPU-Core lizenziert – mit einem Minimum von 16 Cores. Was bedeutet das in der Praxis? Ein kleiner Server mit einer modernen 8-Core-CPU muss trotzdem als 16-Core-Server lizenziert werden. Man zahlt für Kapazität, die man nicht nutzt.

Windows Server 2022 Standard kostet als OEM-Lizenz (gebunden an neue Hardware) rund 700–900 € für die Basis-Lizenz (16 Cores). Retail oder Open License liegt höher. Wer einen Server mit mehr Cores betreibt oder zwei virtuelle Maschinen laufen lassen will, zahlt entsprechend mehr – jedes Core-Paar, das über 16 hinausgeht, kostet extra.

CALs: der Teil, den viele vergessen

Die Serverlizenz allein reicht nicht. Jeder Nutzer oder jedes Gerät, das auf den Server zugreift, braucht zusätzlich eine Client Access License (CAL). Windows Server 2022 User-CAL: ca. 35–45 € pro Stück.

Position Kosten (ca.)
Windows Server 2022 Standard (16-Core OEM) 700–900 €
10 User-CALs (je ~40 €) 400 €
Windows Server Backup oder WSUS (optional) 0 – 300 €
Einstieg gesamt ca. 1.100–1.600 €

Das ist der Anfang. Noch ohne Installationsaufwand, ohne Hardware, ohne spätere Updates.

Der Lifecycle-Unterschied: hier liegt das eigentliche Problem

Windows Server hat einen definierten Support-Lifecycle: In der Regel 5 Jahre Mainstream-Support, danach 5 Jahre Extended Support – und dann ist Schluss. Windows Server 2019 läuft bis 2029, Windows Server 2022 bis 2031. Danach: keine Sicherheitsupdates mehr, keine Patches, keine offizielle Unterstützung.

Was das bedeutet: Alle 5 bis 7 Jahre muss ein Unternehmen entweder upgraden – neue Lizenz kaufen – oder mit einem ungepatchten System arbeiten. Letzteres ist keine theoretische Einschränkung, sondern in der Praxis aus mehreren Gründen keine Option:

  • Sicherheit: Keine Patches mehr bedeutet bekannte, öffentliche Sicherheitslücken die aktiv ausgenutzt werden.
  • NIS2: Die NIS2-Richtlinie verpflichtet betroffene Unternehmen ausdrücklich zum „Stand der Technik" – EOL-Systeme erfüllen das nicht.
  • ISO 27001 / ISMS: Wer nach ISO 27001 zertifiziert ist oder auf dem Weg dorthin, muss nachweisen dass eingesetzte Systeme aktiv mit Sicherheitsupdates versorgt werden.
  • KRITIS und branchenspezifische Anforderungen: Auch unterhalb der formalen KRITIS-Schwelle verlangen viele Versicherungen, Auftraggeber oder Branchenstandards (z. B. im Gesundheits- oder Finanzbereich) den Betrieb gepatchter Systeme.
  • Haftung: Wer wissentlich ein EOL-System betreibt und es kommt zu einem Datenschutzvorfall, steht vor der DSGVO-Behörde mit schlechten Karten.

Das macht den Windows-Upgrade-Zwang nicht nur zu einer Kosten-, sondern zu einer Compliance-Frage – und damit zu einem regelmäßig wiederkehrenden Risikofaktor.

Zum Vergleich: Debian Linux (die Basis vieler Unternehmensserver) erhält pro Major-Version mindestens 5 Jahre regulären Support, dazu noch 3–5 Jahre Long-Term-Support durch das LTS-Projekt. Ubuntu Server LTS bietet 5 Jahre Standardsupport, und mit Ubuntu Pro sogar bis zu 12 Jahre. Kostenpunkt für den Server selbst: 0 €. Das Upgrade auf die nächste Version: 0 €.

Ein Linux-Server, der 2020 aufgesetzt wurde, bekommt noch 2030 Sicherheitsupdates – ohne neue Lizenz, ohne Upgrade-Zwang, ohne zusätzliche Kosten.

Overhead: was Windows Server still verbraucht

Windows Server benötigt – je nach Konfiguration und installierter Rollen – zwischen 4 und 8 GB RAM allein für das Betriebssystem. Mit GUI eher Richtung 6–8 GB. Das ist Ressourcen-Overhead, der keinen einzigen produktiven Dienst betreibt, sondern nur das System am Laufen hält.

Ein Debian- oder Ubuntu-Server macht dasselbe – Dateiablage, Backup, interne Dienste – mit 512 MB bis 1 GB RAM. Der Rest steht für echte Aufgaben zur Verfügung. Auf kleiner Hardware bedeutet das: entweder kleinere Hardware kaufen, oder mehr Dienste auf derselben Maschine betreiben.

Dazu kommt der Administrations-Overhead: Windows Server bringt GUI-Tools, Update-Mechanismen, Lizenzaktivierung und eine Komplexitätsschicht mit, die einen gewissen Betreuungsaufwand erzeugt. Ein Linux-Server ist schlanker – und wenn er einmal läuft, läuft er. Oft jahrelang ohne großen Eingriff.

Die entscheidende Frage: Welche Dienste laufen da eigentlich?

Bevor man über Linux nachdenkt, muss man ehrlich prüfen: Was macht dieser Server eigentlich? In vielen kleinen Betrieben, die ich mir anschaue, lautet die ehrliche Antwort:

  • Dateiablage (gemeinsam nutzbarer Netzwerkspeicher)
  • Backup-Ziel
  • Vielleicht ein internes Wiki oder Tool
  • Manchmal ein selbst gehosteter Dienst wie ein ERP-Addon oder Zeiterfassung

All das läuft problemlos auf Linux. Samba ersetzt Windows-Freigaben vollständig, inklusive Berechtigungen. Backup-Tools wie Restic, BorgBackup oder rsync sind auf Linux zu Hause. Web-basierte Dienste laufen auf Linux nativ.

Typisches Szenario aus der Praxis: Ein Betrieb mit 12 Mitarbeitern betreibt einen Windows Server 2016 – ausschließlich für Dateiablage und als Backup-Ziel. Das System läuft seit Jahren, niemand hat es angefasst. 2026 kommt End-of-Life. Der bisherige Dienstleister empfiehlt: Windows Server 2022 + neue CALs, ca. 1.400 €. Alternativ: Migration auf einen Debian-Server mit Samba – einmaliger Aufwand für die Migration, danach 0 € Lizenzkosten, gleiche Funktionalität, deutlich weniger Ressourcenverbrauch.

Wann Windows Server trotzdem die richtige Wahl ist

Ich sage das klar, weil ich kein Linux-Evangelist bin: Es gibt Situationen, in denen Windows Server sinnvoll oder notwendig ist.

  • Active Directory mit Group Policies: Wenn ein Betrieb intensiv mit Windows-Domänen, Gruppenrichtlinien, Windows-Authentifizierung und zentraler Geräteverwaltung arbeitet, ist Windows Server der einfachere Weg. Samba kann AD emulieren – aber mit Einschränkungen und mehr Administrationsaufwand.
  • Windows-exklusive Software: Bestimmte ERP-Systeme, Branchensoftware oder Legacy-Anwendungen laufen nur auf Windows. Hier hat man keine Wahl.
  • Exchange Server (On-Premise): Wer seinen Mailserver lokal betreiben will und kein Linux-Äquivalent möchte – auch wenn ich Exchange für kleine Betriebe generell nicht empfehle.
  • IIS und .NET-Legacy-Applikationen: Ältere .NET-Framework-Anwendungen, die einen IIS brauchen, laufen nicht auf Linux.

Die Frage ist nicht "Linux ist besser als Windows" – die Frage ist: Braucht dieser Betrieb tatsächlich Windows-Server-Funktionen, oder zahlt er für eine Windows-Lizenz, die er nicht wirklich braucht?

Kostenvergleich über 5 Jahre: 10-Nutzer-Betrieb

Position Windows Server Linux (Debian/Ubuntu)
Betriebssystem-Lizenz 700–900 € 0 €
CALs (10 User) ~400 € 0 €
Major-Upgrade nach 5 Jahren ~1.100–1.300 € (neue Lizenzen) 0 € (kostenfreies dist-upgrade)
Administrations-Aufwand p.a. höher (Updates, Aktivierung, GUI) geringer (nach Einrichtung stabil)
Hardware-Anforderungen (RAM) mind. 4–6 GB nur für OS 512 MB – 1 GB für OS
Lizenzkosten 5 Jahre gesamt ca. 1.800–2.500 €
Lizenzkosten 5 Jahre gesamt 0 €

Die Differenz fließt entweder in die eigene Tasche – oder in einmaligen Migrationsaufwand, der sich je nach Situation in einem Jahr amortisiert hat.

Was kostet die Migration?

Das ist die faire Gegenfrage. Eine Migration von Windows Server auf Linux ist kein Selbstläufer – sie kostet Stunden. Typisch für einen Fileserver mit 10 Nutzern: Planung, Migration, Test und Dokumentation – je nach Komplexität ein überschaubarer Einmalaufwand.

Einmalig. Danach keine Lizenzkosten mehr. Bei einem Upgrade-Zyklus von 5 Jahren rechnet sich das fast immer.

Fazit: erst denken, dann lizenzieren

Viele kleine Unternehmen haben Windows Server, weil „das halt so gemacht wird". Kein IT-Dienstleister hat jemals gefragt ob das wirklich nötig ist – weil Windows-Lizenzen eine Marge bedeuten und Linux keine.

Mein Ansatz ist ein anderer: Ich schaue mir an was ein Server tatsächlich tut, welche Anforderungen wirklich bestehen – und dann erst entscheide ich ob Windows Server gerechtfertigt ist. Oft ist es das nicht.

Das spart Lizenzkosten, Administrationsaufwand und Upgrade-Stress. Und wenn Windows wirklich nötig ist, sage ich das auch.

Sie haben einen Windows Server und fragen sich ob der sein Geld wert ist?

Ich schaue mir Ihre Infrastruktur an und sage Ihnen ehrlich was Sinn macht – und was Sie sich sparen können.

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